Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe Landesverband Bayern e.V.

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Hilfe zur Selbsthilfe

Bei den Allgäuer Lotsen finden Alkoholkranke in der Region Unterstützung

Von Kathrin Kratzer

Im Durchschnitt trinkt jeder Bundesbürger mehr als 120 Liter Bier im Jahr. Wann man im Einzelfall von einer ernst zu nehmenden Sucht spricht, darüber gibt es sehr unterschiedliche Meinungen. Unterstützung finden Betroffene unter anderem in Selbsthilfegruppen wie bei den Allgäuer Lotsen in Mindelheim.

Über seine Arbeit bei den Allgäuer Lotsen redet Peter gerne. Seit Jahren engagiert sich der 64-Jährige, der seinen Nachnamen lieber nicht in der Zeitung lesen will, bei der Mindelheimer Selbsthilfeeinrichtung für Alkoholkranke und ihre Angehörigen. Die Lotsen sind Teil der deutschlandweiten Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe. Die Arbeit ist für mich auch eine Art der Rückfallprävention, denn trocken wird man als Alkoholiker nie, sagt Peter. Und er weiß, wovon er spricht. So ist es noch nicht sehr lange her, als der 64-Jährige selbst in eine schwere Alkoholsucht abrutschte. Bis zu dem Tag, an dem ihn seine Frau volltrunken zu Hause fand, den Notarzt rief und Peter zur Entgiftung in eine Klinik bringen ließ. Gleich im Anschluss begann die Therapie.

Und dann gab es da noch die Allgäuer Lotsen, die für Peter fortan ein wichtiger Teil in seinem Leben wurden. Die Selbsthilfegruppe hilft einem, sich selbst zu helfen, sagt er. Nur zu gerne habe er die Unterstützung der Einrichtung damals angenommen. Heute ist er es, der anderen hilft. Seit rund zwei Jahren leitet der 64-Jährige, der auch dank der regelmäßigen Gespräche mit ebenfalls Betroffenen zurück ins Leben fand, eine der zwei Selbsthilfegruppen in Mindelheim. Gemeinsam mit seinem Kollegen, der die andere Gruppe führt, hat sich Peter vor Kurzem zu einem ehrenamtlichen Suchtkrankenhelfer ausbilden lassen. Ich wollte noch mehr über das Thema Alkoholsucht erfahren, sagt er. Und so absolvierte Peter einen Kurs des Diakonischen Werks Bayern.

In 160 Unterrichtseinheiten vertiefte der 64-Jährige sein Wissen über Suchtformen und Suchtentstehung, Gesprächsführung in Gruppen- und Einzelarbeit sowie Angehörigenbetreuung. Damit ist er wichtige Anlaufstelle für Betroffene in der Region. Die Allgäuer Lotsen stehen nicht nur Alkoholkranken offen. Den Austausch mit Menschen, die Ähnliches durchgemacht haben wie man selbst, kann Peter allen Suchtkranken nur empfehlen. Auch für Angehörige lohnt sich seiner Ansicht nach ein Besuch in der Selbsthilfegruppe. Wir sind ja lauter Profis, sagt Peter. Für Betriebe, in denen es Probleme mit suchtkranken oder suchtgefährdeten Mitarbeitern gibt, steht der 64-Jährige ebenfalls als Ansprechpartner zur Verfügung. Ganz wichtig ist ihm dabei die Diskretion. Egal was wir bei den Treffen reden, bleibt unter uns, betont er. Über seine eigene Geschichte kann Peter mittlerweile ohne Probleme sprechen. Er steht wieder mitten im Leben. Nun will er einen Teil dazu beitragen, damit es andere Suchtkranke auch schaffen.

Quelle: www.augsburger-allgemeine.de/mindelheim/Hilfe-zur-Selbsthilfe-id20539481.html