Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe Landesverband Bayern e.V.

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„Sucht ist Sucht“

ROTH  - Der Freundeskreis Suchtkrankenhilfe ist ein Selbsthilfeangebot für Suchtkranke und Angehörige. Der Freundeskreis Schwabach bietet insgesamt drei Gruppen für den Landkreis Roth und die Stadt Schwabach an. Die Schwabacherin Eleonore Brüchner hat als Angehörige am eigenen Leib erlebt, wie schwer es ist, mit einer Suchtproblematik in der Familie umzugehen. Im Rahmen unserer Reihe über Selbsthilfegruppen im Landkreis Roth erzählt sie über die Gruppe, die ihr geholfen hat, zurück in ein normales Leben zu finden.

ROTH/SCHWABACH — „Es ist keine Schande abhängig zu sein, es ist eine Schande nichts dagegen zu tun.“ So steht es auf dem Flyer des Freundeskreises Suchtkrankenhilfe Schwabach. Persönliche Beziehungen und Freundschaften, so die Idee der Freundeskreise, die bundesweit in über 800 Gruppen organisiert sind, können die eigene Persönlichkeit stabilisieren und die Grundlage schaffen, Suchtkrankheiten zu überwinden und dauerhaft abstinent zu leben...
„Ich hatte mich selber vergessen“, sagt Eleonore Brüchner. Heute, Jahre nachdem die Alkoholsucht ihres Mannes die Familie fest im Griff hatte, sieht sie das ganz klar und kann offen darüber sprechen. Über Jahre habe sich bei ihr zu Hause alles um die Sucht gedreht. Das eigene Leben, der Familienalltag, die sozialen Kontakte sind dabei auf der Strecke geblieben. 
Weit über zehn Jahre ist das her und das Leben hat die Familie längst wieder. Es ist ihnen zusammen gelungen, die jahrelang mühsam aufgebauten Mauern des Schweigens abzureißen und so den Teufelskreis der Sucht aufzubrechen.
Damals hatte sie Kontakt zum Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe gefunden. Der Freundeskreis habe ihr geholfen, aus der Engmaschigkeit der Sucht herauszutreten und sie ermutigt, alle Probleme offen auszusprechen, berichtet Eleonore Brüchner. „Alles, was ans Licht kommt, kann auch heil werden“, davon ist sie mittlerweile überzeugt. „Man muss den Sack aufmachen und reinschauen.“ Dann sei es ganz wichtig zu hören „ihr seid nicht allein“.
Dabei spiele es keine Rolle, welcher Art die Sucht ist. Alkohol, die gesellschaftlich akzeptierte Droge, spielt am häufigsten eine Rolle. Aber auch Drogen- oder Medikamentenabhängige, Computer- oder Glücksspielsüchtige, auch Menschen mit Essstörungen sind im Freundeskreis willkommen und richtig.
„Sucht ist Sucht, der Druck ist immer der gleiche, der Tunnelblick, die Hilflosigkeit, die Isolation“, sagt die, die das Leben mit und den Weg aus der Sucht als Angehörige erlebt hat.
Im Freundeskreis trifft man Leute jeden Alters, die genau wissen, wovon man spricht. Dort finden Menschen zusammen, die aus unterschiedlichen Lebenswelten kommen und ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben.

Ganzes Umfeld betroffen
„Das ganze Umfeld ist ja von der Sucht mit betroffen“, weiß Eleonore Brüchner aus Erfahrung und findet es schade, dass so wenige Angehörige von den Chancen Gebrauch machen, die die Gruppe bietet. Oft seien es nur die Ehe- oder Lebenspartner, die sich angesprochen fühlen. „Wo sind denn die anderen alle?“
Eleonore Brüchner ist seit vielen Jahren im Freundeskreis aktiv und hat dort konkrete Hilfe, Verständnis, Sicherheit und Freunde fürs Leben gefunden. Sie geht auch nach vielen Jahren gerne und regelmäßig zu den Gruppensitzungen, freut sich an gemeinsamen Aktivitäten mit Kind und Kegel und möchte die Unterstützung, die sie in der Selbsthilfegruppe erlebt hat, weitertragen.
Manchmal ist der Freundeskreis für die Angehörigen wichtiger als für die Suchtkranken. „Die Partner gehen irgendwann weg, machen eine Therapie, bekommen fachliche Hilfe. Und du bleibst zuhause zurück und machst vielleicht einfach so weiter.“
Deshalb sei der Freundeskreis ein Angebot, das sehr offen und breit angelegt ist. „Wir wollen Partner, Eltern, Geschwister, Freunde und Kinder ermutigen, den Kontakt zu uns zu suchen. Bei uns gibt es Hilfe.“
„Nur du allein kannst es schaffen, aber du schaffst es nicht allein“ von dieser Erfahrung sind alle Freundeskreise getragen. „Persönliche Beziehungen sind entscheidend, damit der Weg in ein suchtfreies Leben gelingen kann. Wir helfen uns, gemeinsam neue Wege zu finden.“ Darüber hinaus pflegt der Freundeskreis Kontakte zu Beratungsstellen und Fachkrankenhäusern und versteht sich auch als Begleiter während stationärer oder ambulanter Behandlungen.
Der Freundeskreis heißt nicht umsonst Freundeskreis. Das Wir wird ganz groß geschrieben. Die Gruppen bieten viel mehr als zwei Stunden Gruppensitzung in der Woche. „Die Gruppe, das sind wir alle, Betroffene und Angehörige mit Suchtproblemen in jeder Phase der Sucht.“ Über die Jahre habe sich eine stabile und tragfähige Gemeinschaft gebildet, die eine Atmosphäre des Aufgehobenseins pflege und dennoch stets offen für neue Gesichter und Schicksale sei. Nur beim allerersten Besuch wünsche sich die Gruppe eine Voranmeldung, um sich auf einen neuen Menschen und seine Geschichte einstellen zu können. Manchmal kommen Paare auch gemeinsam, um im Schutz der Gruppe auf neutralem Boden Dinge aussprechen zu können, die in den eigenen vier Wänden ungesagt bleiben würden. Die Gruppe bietet Sicherheit und fördert Offenheit. Dabei wird eine wichtige Regel stets eingehalten: Was auch immer in der Gruppe gesagt wird, wird vertraulich behandelt und nicht nach außen getragen.

Termine der Gruppe Roth: Jeden Donnerstag, 19 bis 21 Uhr im kiss, Sandgasse 5. Ansprechpartnerin ist Heidi Gernhardt (09873) 881.

Gruppe Schwabach: Jeden Dienstag, 19 bis 21 Uhr, im Gruppenraum der Kirche St. Peter und Paul, Werkvolkstraße 16. Ansprechpartner ist Roland Schmidt (09122) 84705.

Gruppe Katzwang: Jeden Donnerstag, 19 bis 21 Uhr im Kantorat der Wehrkirche, Rennmühlstraße 17. Ansprechpartner ist Karl-Heinz Turnwald (09178) 90827.

Alle Gruppen bitten darum, vor dem ersten Besuch der Gruppe einmal telefonisch oder per Mail (schwabach@freundeskreise-sucht-bayern.de) Kontakt aufzunehmen.
www.freundeskreise-sucht-bayern.de

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